Jugendbeirat – nun also doch

Aktueller Aufruf des BBS, um Kinder- und Jugendliche anzusprechen. Jedoch ist der Beirat bisher noch nicht gegründet. Eine Adresse und Ansprechpartner wären auch hilfreich um die Seriosität des Anliegens zu unterstreichen.

Nach mehreren Anläufen hat die Gemeindevertretung im Juli einstimmig beschlossen, die Gründung eines Kinder- und Jugendbeirates in Schwielowsee vorzubereiten. Das wird hoffentlich eine gute Sache werden, aber die Herausforderungen sind groß. Dieser etwas ausführlichere Artikel beleuchtet einige Aspekte dieses aktuellen Themas und bietet weiterführende Materialien dazu an.

Kinder- und Jugendbeiräte sollen dazu dienen, Kindern und Jugendlichen besser zu beteiligen und in kommunalpolitische Entscheidungen einzubeziehen. In welcher Form die Kinder- und Jugendbeiräten eingerichtet werden, ist den Gemeinden selbst überlassen. In Schwielowsee haben sich die Gemeindevertreter über die konkrete Ausgestaltung bisher noch nicht verständigt.

Um die Gründung eines Kinder- und Jugendbeirat zu ermöglichen, hatten die Wir, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und die SPD bereits vor gut einem Jahr gefordert, die Hauptsatzung der Gemeinde Schwielowsee entsprechend anzupassen. Dies wurde jedoch damals noch von BBS, FDP, CDU und der Bürgermeisterin in der neu zusammengesetzten Gemeindevertretung nicht unterstützt.

Nun also doch! Beim BBS ist inzwischen ein erfreulicher Sinneswandel eingetreten. Es soll also nun doch ein solches Gremium für Kinder und Jugendliche geben. Einzelne Engagierte wollen das Projekt voranbringen. Wie genau dieser Beirat funktionieren soll ist nicht bekannt.

In manchen Bemerkungen klingt es so, als solle der existierende Seniorenbeirat Vorbild sein? Echt jetzt? Dazu ließe sich Vieles sagen. Vor allem aber eins: Wer mit 55(!) Jahren das Seniorenalter im Sinne dieses Beirats erreicht hat, wird diesen Status hoffentlich viele Jahrzehnte lang genießen. Da kann es sich durchaus lohnen, für verbesserte Lebensbedingungen einzutreten, von denen die Engagierten auch selbst noch langfristig Vorteile haben könnten. Spannenderweise sind laut Bevölkerungsstatistik (Stand 6.6.2025) mit 5204 Personen oder 47,1% bereits fast die Hälfte der hier lebenden Menschen nach dieser Definition im Seniorenalter. Wer hätte das gedacht? Der Seniorenbeirat als engagierte Seniorenvertretung müsste demnach aus allen Nähten platzen. Tut er aber keineswegs mit seinen derzeit fünf verdienstvollen Vertreterinnen. Zwei weitere waren erst kürzlich frustriert zurückgetreten. (Beiratsmitglieder werden von der Gemeindevertretung für die Dauer der Wahlperiode offiziell ernannt.)

Beim Nachwuchs sieht es völlig anders aus. Kinder ab 10 sind während ihrer Pubertät, Jugend, Schul- und Ausbildungszeit ständig damit beschäftigt, sich weiter zu entwickeln, das Erreichte hinter sich zu lassen und eine nächste Stufe zu erreichen. Nichts ist in dieser Lebensphase so normal wie die Veränderung. Ein erfolgreicher Kinder- und Jugendbeirat wird also nicht von der Kontinuität seiner Mitglieder leben, sondern durch eine hohe Flexibilität und Aktualität seiner Angebote attraktiv sein müssen. Coole Spiel- und Freizeitangebote für diese Altersklasse gibt es vor allem in Potsdam, Berlin oder jedenfalls anderswo als in Schwielowsee. Die früheren Jugendclubs vor Ort sind im Lauf der Jahrzehnte eingestellt worden. Anne Steinberg kann als freie Mitarbeiterin für die Jugendsozialarbeit der Gemeinde zu den Herausforderungen der aktuellen Jugendprojekte ihre Erfahrungen aus erster Hand beitragen.

Ein gemeinsames Nachdenken zwischen den engagierten Parteien über das „Wie genau“ eines solchen Jugendbeirates, hat bisher nicht stattgefunden. Das soll jetzt die Verwaltung klären. Bei ihr liegt nun der Ball, mit den Vorbereitungen zu einer Gründung zu beginnen, insbesondere in rechtlicher Hinsicht, zur diesbezüglichen Überarbeitung der Hauptsatzung und der Prüfung der Finanzierungsfrage. So heißt es im Gemeinderatsbeschluss, den aufgrund der guten Sache auch allen Fraktionen unterstützt haben. Bestehen bleibt aber ein gewisses Maß an Skepsis, ob die Verwaltung ohne konkretere Vorgaben ein erfolgreiches Format für den neuen Beirat finden wird. Bisher jedenfalls hat sie die Geschicke der Kinder- und Jugendlichen eher mit bescheidenem Erfolg gemeistert.

Vielversprechender wäre eine offene, überparteiliche Suche nach den besten Ideen, Formaten und vor allem nach Menschen, die sich für Kinder- und Jugendliche verlässlich engagieren möchten. Mehrere Parteien haben davon gesprochen, in dieser Richtung aktiv werden zu wollen. Von einer Nähe zu Sportvereinen, Feuerwehr und Schulen ist die Rede, dort wo man Kinder, Jugendliche und deren Eltern gut erreicht. Neu ist dieser Gedanke nicht, und er hat selbstverständlich einiges für sich. Der oben abgebildete Aufruf des BBS will offenbar dazu beitragen. Jedoch ohne konkrete Ansprechpersonen und Treffpunkte wird keine Transparenz entstehen.

Mit seiner Präsentation „Gelingende Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Brandenburger Gemeinden“ zeigte der Paritätischen Wohlfahrtsverband den Beteiligten in Schwielowsee am 27.1.2025 die rechtlichen Rahmenbedingungen und Handlungsverpflichtungen auf. Das Deutsche Kinderhilfswerk hat zur Gründung von Kinder- und Jugendbeiräten einen Leitfaden herausgegeben, in dem praktische Empfehlungen gegeben werden. Es gibt funktionierende Beispiele in direkter Nachbarschaft, z.B. den Kinder- und Jugendbeirat Michendorf, der sich mit Projekten wie einem Gemeinschaftsgarten für alle, Jugendtreff und mobile Jugendarbeit, aber auch mit Zukunftsthemen wie Ausbildungsangebote in der Region beschäftigt.

Schon in unserem Wahlprogramm hatte die Wir unter der Überschrift „Die Jugend – endlich in den Mittelpunkt“ auch den Jugendbeirat thematisiert (link zum Programm). Daher rufen wir dazu auf, diese Chance für neue Jugendangebote zu ergreifen! Was wird in der Gemeinde Schwielowsee für die Jugend zusätzlich gebraucht? Welchen Beitrag sollte und müsste ein formeller Beirat dazu leisten? Wie könnte er das am besten tun?

Es liegen also wirklich spannende Fragen auf dem Tisch. Es werden Menschen gesucht, die sich in diesem Bereich engagieren und mitgestalten wollen. Wir freuen uns über jegliche Beteiligung daran!

Stefan Fellenberg, Andreas von Zadow 31.7.2025  

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