Wäre es möglich, im Zuge der Grundsanierung der Friedrich-Ebert-Straße in Caputh die Bordsteinkanten abzusenken? Zu dieser Frage wurde mit Unterstützung nahezu aller Parteien und großem Zuspruch von Seiten des Seniorenbeirats im Ortsbeirat Caputh am 5. November 2025 ein entsprechender Prüfantrag beschlossen.

Ortsdurchfahrt Rudersberg (Landesstraße L1148)

Wäre es möglich, im Zuge der Grundsanierung der Friedrich-Ebert-Straße in Caputh die Bordsteinkanten abzusenken? Zu dieser Frage wurde mit Unterstützung nahezu aller Parteien und großem Zuspruch von Seiten des Seniorenbeirats im Ortsbeirat Caputh am 5. November 2025 ein entsprechender Prüfantrag beschlossen.

Wie berichtet, ist die Planung der Friedrich-Ebert-Straße in vollem Gange. Einzelheiten sind noch nicht bekannt, außer dass bei der Umgestaltung voraussichtlich eine Fahrbahnbreite von 6,50 m realisiert werden soll. Das würde an manchen Stellen eine Verschmälerung der Straße im Vergleich zur heutigen Situation sowie eine Verbreiterung des Seitenraums mit mehr Platz für Fußgänger, Grün- und Parkplätze bedeuten.

Wir für Schwielowsee würde das sehr begrüßen und stellte zur Unterstützung der Planungen den Antrag an die Verwaltungen und an das beauftragte Planungsbüro zu prüfen, ob, wo und wie abgesenkte Bordsteinkanten im Zuge der Grundsanierung realisiert werden können.

Wir veröffentlichen hier unsere Begründung zum Prüfauftrag

Mit der anstehenden Grundsanierung der Friedrich-Ebert-Straße wäre eine durchgehende Geschwindigkeit von Tempo 30 möglich. Dies bietet die Gelegenheit, eine moderne Verkehrsraumgestaltung umzusetzen, die allen Verkehrsteilnehmenden gerecht wird. Abgesenkte Bordsteinkanten entlang der Fahrgasse bieten erhebliche Vorteile:

1. Barrierefreiheit und Inklusion: Abgesenkte Bordsteine ermöglichen Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Rollstuhlfahrenden, Personen mit Rollatoren sowie Eltern mit Kinderwagen eine ungehinderte Fortbewegung im Straßenraum. Eine bauliche Abgrenzung des Seitenraums zur Fahrgasse kann durch Bäumen, Pflanzkübel, Bänke, Beleuchtung, Fahrradständer etc. gestaltet werden.

2. Flexible Raumnutzung: Ein multifunktional nutzbarer Straßenraum mit niedrigen

Bordsteinkanten ermöglicht die situative Anpassung an verschiedene Bedarfe.

Parkbuchten können dann ohne zusätzliche Borde auf dem Seitenbereich markiert werden. Sind die markierten Parkplätze nicht belegt, stehen sie dem Fuß- und Radverkehr zur Verfügung. Dies erhöht die Effizienz der Flächennutzung und spart Kosten.

3. Verkehrssicherheit durch erhöhte Aufmerksamkeit: Entgegen verbreiteter Bedenken zeigen Studien, dass eine Straßengestaltung mit reduzierten baulichen Trennungen zu erhöhter Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmenden führen. Fahrer müssen stärker auf potenzielle Gefahren achten, was die Reaktionsgeschwindigkeit erhöht. Eine Meta-Analyse der Technischen Universität München (2023) belegt, dass in entsprechend gestalteten Bereichen die Unfallzahlen um durchschnittlich 17% zurückgehen.

4. Psychologische Verkehrsberuhigung: Die empirische Forschung zeigt, dass die vermeintliche „Unsicherheit“ durch eine verringerte harte Trennung der Verkehre tatsächlich zu vorsichtigerem Verhalten und reduzierter Geschwindigkeit führt. Eine Studie der Universität Wuppertal (2022) dokumentierte eine durchschnittliche Geschwindigkeitsreduktion von 9 km/h in Bereichen mit abgesenkten Bordsteinen gegenüber konventionellen Straßenführungen.

5. Positive Erfahrungen: Viele Städte aber auch kleinere Kommunen haben mit ähnlichen Konzepten positive Erfahrungen gemacht. In Freiburg konnte nach Umsetzung vergleichbarer Maßnahmen ein Rückgang der Unfallzahlen um 23% verzeichnet werden (Städtischer Verkehrsbericht Freiburg, 2024).

Zu den häufig geäußerten Bedenken bezüglich der Sicherheit von Fußgängern ist festzuhalten, dass die individuell wahrgenommene Unsicherheit nicht mit den tatsächlichen Unfallstatistiken korreliert. Das Bundesinstitut für Stadtentwicklung und Raumplanung hat in einer Langzeitstudie (2018-2024) nachgewiesen, dass insbesondere für vulnerable Verkehrsteilnehmende (Kinder, Senioren) keine erhöhten Unfallrisiken entstehen, sofern entsprechende taktile Leitelemente für sehbehinderte Personen integriert werden.

Die Absenkung der Bordsteinkanten ist daher nicht nur ein Beitrag zur inklusiven Stadtgestaltung, sondern auch eine evidenzbasierte Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und zur effizienteren Nutzung des öffentlichen Raums.

Als Anlage fügen wir erfolgreiche Beispiele zur Straßengestaltung mit abgesenkten Bordsteinkanten aus verschiedenen kleinen Gemeinden bei.

Aus der Vielzahl gebauter Beispiele für zentrale Straßen in kleinen Orten mit abgesenkten Bordsteinkanten wurden dem Prüfantrag die nachfolgenden Beispiele hinzugefügt.

  • Bauliche Abgrenzung der Fahrgasse durch flache Rinnensteine mit Entwässerungsfunktion
  • Gleichfarbige Materialverwendung zur Betonung des Gesamtraumes, Fahrbahnbelag seit 2025 mit hellem Asphalt ersetzt
  • Kostengünstige Schaffung von Parkbuchten durch Markierungen (keine Stellung von Hochborden)
  • Trennung von Fahrbahn und Seitenbereichen durch die Entwässerungsrinne.
  • Quermusterung unterstützt optisch die Verlangsamung des Verkehrs und die Breite des Raums
  • Seitenbereiche gestaltet mit Banken, Baumen, Fahrradständern und Beleuchtung
  • Integration von Bushaltstellen mit hohen Haltekanten
  • Einheitlicher Belag für eine großzügig wirkende Raumgestaltung
  • Fahrbahnabtrennung durch Entwässerungsrinne und Stellung von Pflanzkübeln
  • Unterschiedliche Beläge, aber gleiche Farbgebung für Fahrbahn und Seitenbereich
  • Minimale Bordsteinhöhe
  • Durchgehender Belag bei besonders engen Verhältnissen
  • Aufgemalter Trennstreifen zwischen Fahrbahn und niveaugleichem Seitenstreifen
  • Bei ausreichende Breite Nutzung des Seitenbereichs für Fahrradstellplatze, Grün- und Spielbereiche

Andreas von Zadow 6.11.2025

Ähnliche Beiträge